Die Sache mit der Gewohnheit (eine Story zur UX)

Screendesign / UX und Usability

Wenn ich Mountainbike schalte ich ab. Ich denke nicht darüber nach, was mein Körper macht und für Gewöhnlich schweifen meine Gedanken total ab. Das ist entspannend und erfrischend, und deshalb gehe ich mehrfach pro Woche biken.

Neulich musste ich einen Termin wahrnehmen, der mich aus meiner gewohnten Zeit für das Mountainbiken herausgeholt hat. Mein Gedanke: „Du kannst es ja später nachholen!“ Doch diese Zeitverschiebung erzeugte bei mir seltsame Verhaltensweisen.

So ging ich zu einem späteren Zeitpunkt (abends) biken und fuhr an unserer Nachbarin vorbei, die mit Ihrem Hund spazieren ging. Ich grüßte Sie höflich „Guten Morgen!“ Und dann bemerkte ich meinen Irrtum und wollte dies korrigieren.

Das lächeln allerdings, konnte sich unsere Nachbarin nicht verkneifen.

Gewohnheiten gehören zu den Methoden, mit denen das Gehirn komplexe Verhaltensweisen erlernt. Neurowissenschaftler sind der Meinung, dass Gewohnheiten uns in die Lage versetzen, unsere Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu richten, in dem wir automatische Reaktionen in den Basalanglien abspeichern. Das ist ein Bereich im Gehirn, der für unwillentliche Handlungen zuständig ist.

Gewohnheiten bilden sich also, wenn das Gehirn versucht Abkürzungen zu nehmen und nicht mehr aktiv darüber entscheidet, was als nächstes zu tun ist.

Folglich werden viele unserer täglichen Entscheidungen einfach nur deshalb getroffen, weil wir auf diese Weise schon in der Vergangenheit eine Lösung gefunden haben eine gedankliche Abkürzung  zu nehmen.

So folgert das Gehirn: „Wenn das, was ich gestern gemacht habe gut war, ist sie auch heute eine gute Entscheidung!“

Und genau so wird die Handlung zu Routine.

 

 

Handlung vs Untätigkeit

Wenn das Handeln unerlässlich für die Gewohnheitsbildung ist, wie kann denn dann ein UX Designer die Nutzer zur Handlung bewegen? Gibt es eine Formel für das Verhalten? Und ich sage: ja!

Es gibt zwar sehr viele Theorien darüber, was das menschliche Verhalten beeinflusst, aber Dr. B.J. Fogg (Leiter der Persuasive Technology Lab an der Stanford University) hat ein Modell entwickelt, das als relativ einfache Methode funktioniert um zu verstehen, was unsere Handlungen antreibt:

  • Der Anwender muss ausreichend motiviert sein
  • Der Anwender muss die Fähigkeit besitzen, die gewünschte Handlung zu vollenden
  • Es muss ein Auslöser vorhanden sein, um die Handlung in Gang zu setzen

User Experience & Usability hat vieles gemein

Die Aufgabe eines UX Designers ist es also, der Methode von Dr. B.J. Fogg gleichzutun und zu verstehen, was der User auf der Seite macht. Es ist wichtig zu erlernen, welche Prozesse und welche „Experience“ der Benutzer durchlebt, um ein Kauferlebnis zu haben.

So gesehen könnte man sagen, dass meine Aufgabe ist, zu verstehen, welche Abkürzung das Gehirn gerade auf Ihrer Seite vornimmt und warum der Kauf oder der Lead durch eine ungewohnte UX nicht zum tragen kommt.

Übrigens – für gewöhnlich rufen mich an dieser Stelle die Leser an:

02263 8089011

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